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Was ist Theaterpädagogik?
Theaterpädagogik ist ein weites Feld.
Selbst Fachleute können nicht eindeutig sagen wofür man den Begriff
verwendet, da die Spannbreite zu groß ist. Mancher gelernter
Theaterpädagoge greift nur einen Teilaspekt dessen heraus, was wir unter
dem Begriff Theaterpädagogik verstehen. Grundsätzlich lässt sich
theaterpädagogische Arbeit als Vermittlungstätigkeit beschreiben.
Theaterpädagogen vermitteln, sei es in Form von Grundlagenarbeit oder in
Form konkreter Projekte, bei denen am Ende eine Präsentation vor
Publikum steht, Kenntnisse über das Theaterspielen oder bestimmte
Bereiche davon oder über die Institution Theater an Menschen, die in der
Regel nicht hauptberuflich damit befasst sind. Dies können z. B. Kinder
oder Jugendliche, Erwachsene aus den verschiedensten Schichten und
Berufen, spezielle Gruppen der Bevölkerung, z.B. Senioren, Behinderte,
ehemalige Drogenabhängige, aber z. B. auch Lehrerinnen und Lehrer oder
Führungskräfte aus der Wirtschaft sein.
Historischer Hintergrund
Wie alles begann...
Die Anfänge der Theaterpädagogik kamen
mit den ersten Absolventen, die sich von den offiziellen Theatern
abwandten. Sie warfen ihnen Unterdrückung individueller Entfaltung und
Triebäußerungen durch gesellschaftliche Strukturen und verbeamtete
Stadttheatermentalität vor. Sie begannen frei zu spielen und gründeten
ihre eigenen Freien Theater. Vorbilder gab es genug wie die Gruppe um
Stein, die nach Berlin zog oder die mobilen Produktionsformen der
Schauspiel- Akademie in alternativen Räumen. Ob das in Zürich
gastierende "Living Theatre" oder "Bread and Puppet- Theatre", die
fantasievolle Produktion "1789" der Mnouchkine oder den legendären
"Orlando furioso". Der Anfang war gemacht.
Gleichzeitig erwachte der Sinn der
Studenten für soziokulturelles Handeln. Auf einmal stand das Interesse
für die Arbeit an der gesellschaftlichen Basis ganz oben und einige von
ihnen begannen an Schulen und mit Jugendlichen Theater zu machen. Die
meisten arbeiteten so, wie sie es in der Schauspielschule gelernt
hatten. Sie kopierten die einzelnen Übungen für die Körper- und
Wahrnehmungsarbeit, sowie alterspezifische Spiele um. Das erste und
wichtigste Prinzip der Theaterpädagogik war geboren und umgesetzt.
Einige Arbeiten waren Erfolg
verheißend, vor allem die sich von der professionellen
Schauspielerausbildung inspirieren ließen, sie aber nicht zwanghaft
kopierten. Der Unterricht bestand aus Körperarbeit und dem dazugehörigen
Übungsrepertoire der Atem-, Stimm-, und Sprecherziehung, aus
Wahrnehmungsübungen sowie aus dem improvisatorischen Umgang mit eigenen
Erinnerungen und Beobachtungen und dem szenischen Umsetzen von
Theatertexten. Der Ansatz fand größtes Interesse vor allem an Schulen
und bei den Schülern. Manche aber spürten den Mangel an einer
weitergehenden theaterpädagogischen Ausbildung und merkten, dass ihre
eigene Schauspielerausbildung Kinder und Jugendliche überforderte. Der
Wunsch nach einem spezifischen Studium kam von den Absolventen selbst.
Anstöße kamen aus anderen europäischen Ländern wie z. B. Frankreich,
England oder Niederlande.
Warum brauchen wir Theaterpädagogik?
Das Ziel der Theaterpädagogik ist es
die Möglichkeiten jedes Einzelnen zu entfalten, um die
Persönlichkeitsentwicklung und die Entwicklung der menschlichen
Gemeinschaft zu fördern. Mit Hilfe des Theaterspielens kann man den
Menschen in seiner Gesamtheit mit einbeziehen, also seine Bewegungen,
seine Stimme, seinen Atem, seine Gefühle, Wahrnehmungen, sein Denken und
Handeln. Durch das Theater kann man das eigene Selbstwertgefühl
steigern, aber auch die Wertschätzung für andere, die an dem Projekt
teilnehmen. Die Rollenbesetzung spielt hierbei eine große Rolle, da man
darauf achten sollte, was für Fähigkeiten der Einzelne hat und danach
dann entscheiden, wer welche Rolle bekommt, so dass die Teilnehmer je
nach Stärke eingesetzt werden und so deren Selbstwertgefühl gesteigert
wird, weil sie sehen können, was sie können und was nicht. Die Pädagogik
vernetzt die Gruppe und die einzelnen Fähigkeiten eines Menschen.
Theaterpädagogik bezieht sowohl den
Körper, die Seele und den Geist eines Menschen mit ein und verknüpft die
handlungsorientierten Ansätze des Theaters mit der Pädagogik.
Also ist Theaterpädagogik eine Methode,
die integratives Lernen und Lehren ermöglicht, weil sie die Selbst-,
Sozial- und Sachkompetenz der Menschen in gleichem Maße fördert. Die
Theaterpädagogik sollte den Rahmen für die theaterpädagogische Arbeit
bilden. Ein Aspekt der Theaterpädagogik ist die Teilhabe am kulturellen
Leben, was durch die theaterpädagogische Arbeit ermöglicht werden kann.
Dies ist allerdings hier nicht nur auf den passiven Konsum von
kulturellen Angeboten beschränkt, sondern jeder Mensch kann aktiv etwas
Eigenes schaffen, worauf er dann auch stolz sein kann. Zudem können
Menschen in der Theaterpädagogik andere Arten von Theaterspiel kennen
lernen. Bei der Theaterpädagogik gilt vor allem, dass die Teilnehmer
freiwillig mitspielen und nicht unter Zwang an solch einem
Theaterprojekt teilnehmen. Man kann sich sonst nicht frei entfalten, was
dem Ziel der Theaterpädagogik entgegengesetzt. arbeitet. |